Zwei Eier, genetisch identisch. Aus dem einen wird eine Arbeiterin, die sechs Wochen lebt. Aus dem anderen eine Königin, die fünf Jahre alt wird und täglich 2.000 Eier legt. Der einzige Unterschied: das Futter.
Was ist Gelée Royale?
Gelée Royale – auch Weiselfuttersaft genannt – ist ein weißlicher, leicht säuerlicher Futtersaft, den junge Arbeiterinnen in ihren Futtersaftdrüsen produzieren. Er besteht aus Wasser, Eiweißen, Zuckern, Fetten, B-Vitaminen und einer Reihe von Stoffen, die bis heute nicht vollständig erforscht sind.
Das Königinnen-Programm
Alle Bienenlarven bekommen in den ersten drei Tagen Gelée Royale. Danach trennen sich die Wege:
- Arbeiterinnen-Larven werden auf Pollen-Honig-Brei umgestellt
- Königinnen-Larven schwimmen weiter förmlich im Futtersaft – bis zur Verdeckelung
Diese Ernährung schaltet ein völlig anderes Entwicklungsprogramm an: größerer Körper, funktionsfähige Eierstöcke, vielfach längere Lebensdauer. Ein und dasselbe Erbgut – zwei grundverschiedene Lebewesen. Die Wissenschaft nennt das Epigenetik; die Bienen machen es seit Millionen Jahren einfach.
Gelée Royale als Produkt
Für den Handel wird Gelée Royale gewonnen, indem Völker viele Königinnenzellen anlegen, die vor der Verdeckelung geleert werden – aufwendige Präzisionsarbeit, die vor allem in Asien betrieben wird. Als Nahrungsergänzung wird es hoch gehandelt, wissenschaftlich belegt sind die beworbenen Effekte beim Menschen bislang kaum. Wichtig für Allergiker: Gelée Royale kann starke allergische Reaktionen auslösen.
Mein Blick als Imker
Das eigentliche Wunder ist nicht das Fläschchen im Reformhaus, sondern der Vorgang im Volk: Futter, das über Königtum entscheidet. Mehr Geschichten aus dem Bienenvolk findest du im Blog.
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Über den Autor: Florian Stoth imkert in Sieversdorf-Hohenofen (Ostprignitz-Ruppin) und schreibt hier über Bienen, Honig und das Imkerleben. Jeden Beitrag schreibt er aus der eigenen Praxis an den Völkern. Mehr über die Imkerei



