Im Discounter kostet das Glas Honig 2,50 Euro, beim Imker das Doppelte oder mehr. Wucher? Liebhaberei? Weder noch. Zeit für eine transparente Rechnung.
Was im Discounterpreis steckt
Honig für 2,50 Euro ist fast immer eine Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern – zusammengekauft auf dem Weltmarkt, wo Honig teils unter einem Euro pro Kilo gehandelt wird. Er wird industriell erwärmt, gefiltert, verschnitten und auf Einheitsgeschmack getrimmt. Die Wertschöpfung passiert in Tanklagern und Abfüllanlagen, nicht am Bienenstand.
Was hinter einem Imkerglas steckt
Rechnen wir ehrlich – pro Bienenvolk und Jahr:
- Arbeitszeit: 20–30 Stunden je Volk – Durchsichten, Schwarmkontrolle, Ernte, Varroa-Behandlung, Einfüttern, Wachsarbeiten
- Material: Beuten, Rähmchen, Mittelwände, Gläser, Deckel, Etiketten, Futter, Behandlungsmittel – schnell 100–150 Euro jährlich
- Ausrüstung: Schleuder, Entdeckelungsgeschirr, Abfülltechnik, Schutzkleidung – Investitionen von mehreren tausend Euro
- Risiko: Ein Volk kann den Winter nicht überleben, eine Ernte kann verregnen. Der Ertrag schwankt von Jahr zu Jahr erheblich
Bei einem realistischen Ertrag von 15–25 kg je Volk und Jahr wird schnell klar: Selbst bei 8 Euro pro Glas verdient ein kleiner Imker rechnerisch weit unter Mindestlohn. Die meisten von uns imkern aus Überzeugung – kostendeckend zu arbeiten ist das Ziel, reich wird hier niemand.
Was du für den Mehrpreis bekommst
Naturbelassenheit statt Industrieware, nachvollziehbare Herkunft statt Anonymität, regionale Wertschöpfung statt Welthandel – und einen Geschmack, den es exakt so nur in einem Jahrgang und einer Region gibt.
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Über den Autor: Florian Stoth imkert in Sieversdorf-Hohenofen (Ostprignitz-Ruppin) und schreibt hier über Bienen, Honig und das Imkerleben. Jeden Beitrag schreibt er aus der eigenen Praxis an den Völkern. Mehr über die Imkerei



